über mich

Thorsten Portisch, Jahrgang 1969

Meine Frau und ich, wohnen im Stadtteil Süd; ich bin stolzer Vater eines bald erwachsenen Sohnes.

Geboren wurde ich in Heinsberg, aufgewachsen bin ich in Bretten, dort machte ich 1989 Abitur, anschließend ging ich zum Wehrdienst nach Bayern, es folgte das Studium der Betriebswirtschaftslehre (Dipl.Kfmn) an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Seit meiner Jugend war ich stets in Vereinen, Verbänden und Initiativen engagiert, stehe in regem Austausch, national, wie international. Nach über 20 Jahren Berufserfahrung im familieneigenen, mittelständischen Betrieb, mit verschiedensten Führungsaufgaben ist es Zeit für Veränderung. Die Aufgabe in Ludwigshafen reizt mich.

„Hier stehe ich, ich kann nicht anders“

Ich erlebte die ersten drei Lebensjahre in den Niederlanden, wo mein Vater als Soldat bei der NATO diente. Meine zwei Jahre ältere Schwester sprach damals besser Holländisch und Englisch als Deutsch – Vorteile eines internationalen Kindergartens. Es folgten drei ereignisreiche Jahre in Karlsruhe, schließlich zogen wir 1975 hinaus aufs Land, nach Neibsheim in den Kraichgau, hier wuchs ich auf, quasi als Kurpfälzer mit holländisch-badisch-großstädtischem Migrationshintergrund.

Die Arbeit der Vereine ist als Integrationsmaßnahme unbezahlbar.

Ich musste mich nach unserem Umzug neu orientieren und mich in die Dorfgemeinschaft einfinden. Wie den meisten Kindern fiel mir das nicht sonderlich schwer. Ich konnte von zahlreichen Angeboten der vielen Vereine im Dorf Gebrauch machen und so schnell neue Freundschaften schließen. Seit meiner Kindheit bin ich daher Mitglied in verschiedenen Vereinen und einige durfte ich auch als Gründungsmitglied ins Leben rufen.

Sozial heißt Gemeinschaftlich und Gemeinschaft muß verdient werden

Gelungene Integration bedarf nicht nur eines Angebotes sondern auch der aktiven Eigeninitiative und Bereitschaft, vorhandene Angebote zu nutzen. Deshalb ärgert es mich, wenn diese Notwendigkeit der Bereitschaft zur Integration als Assimilation diskreditiert wird. Die Abgrenzung durch nationalistisch geprägte Vereine lehne ich ab. Ohne Begegnung und Miteinander gibt es keine soziale Stadt und keinen sozialen Staat. Die Bereitschaft von unsEltern, unsere Kinder am Vereinsleben teilnehmen zu lassen, halte ich für außerordentlich wichtig.

Die Förderung von Vereinen ist eine der wichtigsten Sozialaufgaben überhaupt.

Ich möchte daher die Einrichtung eines städtischen Unterstützungsdienstes initiieren, der „Büro-Dienste“ für die Vereine anbietet. Hilfestellung bei der Mitgliederverwaltung und Tätigkeiten wie das Drucken, Kuvertieren und Versenden von Briefen können kostenlos bzw. zu günstigen Konditionen angeboten werden. Wenn Vereine Schwierigkeiten haben, Mitglieder zu finden, die administrative Aufgaben erledigen, möchte ich ihnen hierbei die Hilfe der Stadt zusichern. Nicht nur die Vereine profitieren von einem solchen Angebot. In einer engen Zusammenarbeit zwischen Stadt und Vereinen wird besser ersichtlich, welchen Erfolg Integrationsmaßnahmen zeigen. Die Entwicklung der Mitgliedschaft in Vereinen ist ein Hinweis darauf, wie die Maßnahmen der Stadt zur Förderung des Zusammenlebens funktionieren. Dies betrifft nicht nur Aspekte der Integration von Migranten, sondern auch die Förderung eines altersübergreifenden Miteinanders.

Wer Kultur und Sport nicht ausreichend fördert, gefährdet die innere Sicherheit

Neben dem Sport spielt für mich das Musizieren eine große Rolle – ich erlernte während meiner Schulzeit mehrere Instrumente, spielte Fußball und ging zum Fechten. Der Trompetenunterricht an der Jugendmusikschule war verbundenen mit zahlreichen Auftritten in Ensemble und mit dem Orchester. Diese Auftritte und die sportlichen Wettbewerbe gaben mir viel zurück. Sie schulten meine Konzentration, Teamfähigkeit und Selbstsicherheit. Ich kenne und schätze aus eigener Erfahrung den Gleichklang von sportlicher und musischer Erziehung. Ich weiß um die emotionale Verankerung, die sie bei Heranwachsenden leistet. Sport und alle musischen Fächer besitzen höchsten gesellschaftlichen Stellenwert. Ausgaben für Kultur sind keine Investition in den Elfenbeinturm – dem bekannten Zitat Schilys „Wer Musikschulen schließt, gefährdet die innere Sicherheit.“ stimme ich daher vollkommen zu.

Unsere Gesellschaft braucht viele, die ihr dienen

Hilfs- und Rettungsdienste leisten einen herausragenden und unverzichtbaren Beitrag für unsere Gesellschaft. In Ludwigshafen habe ich in den vergangenen Jahren mehrfach hautnah erlebt, welche große Bedeutung den Freiwilligen Helfern zukommt – die Leistung unserer Bevölkerung nach den Unglücksfällen der jüngeren Vergangenheit, ihre Hilfsbereitschaft und Solidarität finde ich bewundernswert.

Wir werden sicherlich auch in Zukunft immer wieder vor Herausforderungen gestellt werden, die ein beherztes Zupacken und besonnenes Agieren erfordern. Große Katastrophenschutzübungen sollten aus meiner Sicht möglichst regelmäßig und grenzüberschreitend abgehalten werden. Wie schnell aus dem Übungsfall (Hochwasser) der Ernstfall werden kann, erlebten die Menschen in Paris 2016. Alle Bewohnerinnen und Bewohner unserer Stadt sollen in der Lage sein, sich im Fall der Fälle bestmöglich zu schützen. Dies erfordert Übung und Schulung, welche am besten bereits bei unseren Jüngsten ansetzt. Daher rege ich an, die Attraktivität der Hilfs- und Rettungsdienste noch weiter auszubauen. Geht es nach mir, dann sollen künftig alle Mitglieder der Jugendorganisationen unserer Hilfs- und Rettungsdienste Freien Eintritt zu den städtischen Bädern erhalten, sofern sie eine gewisse Anzahl an Ausbildungs- und Bereitschaftsstunden vorweisen können. Als Jugendlicher hatte ich viel Freude an der Mitarbeit in der Bereitschaft des Deutschen Roten Kreuz, in unserer direkten Nachbarschaft beobachte ich regelmäßig, wie die Jugendfeuerwehr mit Begeisterung übt. Dieses Engagement gilt es ausreichend zu würdigen und zu fördern, die Einführung der Ehrenamtskarte E-Card 2015 war dabei ein erster, sinnvoller Schritt.

Ich fühle europäisch

Pulse of Europe ist eine Verbindung von Bürgerinnen und Bürgern, die das Positive, das die Europäische Union für Europa und damit für uns, leistet, in den Vordergrund rücken möchte. Ich sehe mich als Teil dieser Bewegung. Meine europäischen Wurzeln sind schon aus meiner Familiengeschichte ersichtlich – Die Familie meiner Mutter hat u.a. hugenottische Ursprünge, mein Vater stammt aus Třebařov (Triebendorf, Tschechien ), sein Vater war Österreicher, ich habe meine ersten drei Lebensjahre im niederländischen Sittard erlebt.

Diese Herkunft prägt mich und mein Kulturverständnis – ich teile europäische Werte – dazu zählt auch die unbedingte Trennung von Religion und Staat. Europäisch zu fühlen bedeutet für mich: „Leben in humanistischer Tradition der Aufklärung“. Dieses Verständnis ermöglicht die Akzeptanz des Zusammenlebens verschiedenster Religionen aber auch die Freiheit des Einzelnen, auf eine Kirchen- oder Religionszugehörigkeit zu verzichten.

Akzeptanz der Vielfalt von Religion und christlich geprägter Stadtkultur

Zu einem souveränen Umgang mit Religion zählt auch die Akzeptanz religiöser Ikonografie im täglichen Umgang des Staates/Stadt mit der Bevölkerung – seien sie Bürgerinnen und Bürger im Sinne des kommunalen Wahlrechtes oder Ausländer ohne europäischen Pass. Nach meiner Auffassung muß es jedem Menschen erlaubt sein, jederzeit ein Kreuz, einen Davids-Stern, einen Halbmond oder ein anderes religiöses Ikon in Schmuckform offen zu tragen. Schmuck stellt aus meiner Sicht das private Äquivalent zu Wappen, Siegeln und Münzen dar, diese repräsentieren staatliche wie städtische Kultur. Jede Stadt besitzt die Souveränität, diese Symbole selbständig zu wählen. Die Bürgerschaft drückt damit ihr kulturelles Selbstverständnis aus.  Die Wappen mehrer Stadtteile Ludwigshafens (Maudach, Mundenheim, Oppau und Ruchheim) zeigen eindeutig religiöse, christliche Bezüge – der Einfluß christlicher Kultur ist integrativer Bestandtteil unserer Stadtkultur.

Grenze der Toleranz: Wenn das Private endet

Die Akzeptanz des religiösen Selbstverständnisses der Bevölkerung erfordert die Bestimmug der Toleranz gegenüber ihrer Ausübung im öffentlichen Raum seitens des Staates. Nimmt Religion auf ihre Anhänger insofern Einfluß, daß sie beispielsweise die Bauform ihrer Gotteshäuser vorgibt oder Kleiderordnungen entwirft, greift sie unmittelbar in Belange des öffentlichen Lebens ein und verlässt den Raum des Privaten. Ich verstehe solche Vorschriften daher nicht als religiöse sondern politische Aussagen im Sinne einer Ideologie. Postuliert in der Bundesrepublik Deutschland oder der europäischen Union eine nicht staatliche Institution gegenüber einem Einzelnen die Unbedingtheit ihrer Regelungen und trifft sie dabei Vorschriften abhängig von Alter, Geschlecht oder Nationalität, verletzt sie freiheitliche Menschenrechte als Bedingung menschlicher Würde und kann daher nicht für sich in Anspruch nehmen, einen grundgesetzlichen Schutz zur Durchsetzung ihrer Vorschriften besitzen.